Abstimmungsanlagen Bundeshaus

«Im Spannungsfeld zwischen baulich-technischen Rahmenbedingungen, Fernseh-Spezifikationen und IT-Anforderungen konnten wir zusammen mit einer flexiblen it-processing AG die Lösung schnell und termingerecht produktiv setzen.»

Andreas Wortmann, Leiter Infrastruktur zur Anlage im Ständerat

Das Wichtigste in Kürze

Die beiden Kammern unseres Parlamentes verwenden für ihre Abstimmungen eine Abstimmungsanlage. Im Ständerat wird seit 2014 elektronisch abgestimmt, im Nationalrat waren seit 1995 mehrere Systeme im Einsatz.
Da sich die elektronischen Abstimmungssysteme in den Ratsbetrieb einfügen müssen, wurden sie als Individualsoftware auf die Bedürfnisse des schweizerischen Parlamentes zugeschnitten.
Zentrale Anforderungen sind einerseits Stabilität und Zuverlässigkeit des Systems, andererseits eine benutzerfreundliche Bedienung. Dies sowohl zur Verwaltung für die Ratssekretariate als auch für das Ratspräsidium.

Die Lösung ist ein Client-Server System bestehend aus einer zentralen Service-Komponente und mehreren Clients für die entsprechenden Benutzergruppen.
Die Software konnte 2014 im Ständerat pannenfrei eingeführt werden.
2015 folgte dann der Nationalrat, dessen frühere Anlage ebenfalls durch das neue System abgelöst wurde.

Ergebnisse

  • Einfache Vorbereitung und Verwaltung der Abstimmungen
  • SMS „Ankündigungen von Abstimmungen“
  • Steuerung der Abstimmungsdurchführung
  • Touchscreen-Lösung für das Präsidium
  • Anzeige der Resultate
  • Datenimport aus der Geschäftsdatenbank CURIA
  • Automatisierte Veröffentlichung der Ergebnisse

Technology Stack

Für eine Übersicht ausklappen

  • Microsoft Visual Studio
  • C#
  • XAML
  • Microsoft SQL Server
  • Microsoft .NET
  • WPF
  • WCF
  • PostSharp
  • NUnit
  • NHibernate
  • Apache log4net
  • Aspose.PDF
  • AutoMapper
  • Google Protocol Buffers
  • moq
  • Xceed Toolkit
  • git
  • Jenkins
  • SonarQube

Die Vorgeschichte

Nach längerer Diskussion entschied sich der Ständerat 2013 für die Einführung einer elektronischen Abstimmungsanlage, wie sie der Nationalrat schon seit längerer Zeit in Betrieb hat. Damit die Abstimmungssysteme im Parlamentsgebäude mit dem geringstmöglichen Aufwand gewartet, gepflegt und weiterentwickelt werden können, werden identische technische Standards für die Systeme des National- und des Ständerats gefordert.

Was sind die Anforderungen?

Stabilität und Zuverlässigkeit sind zwei der zentralen Eigenschaften, die die Abstimmungsanlage erfüllen muss. Damit soll ein reibungsloser Ratsbetrieb sichergestellt werden.

Ausserdem stellen verschiedene Interessengruppen unterschiedliche Anforderungen an das System:

  • Das Ratspräsidium braucht einen mehrsprachigen, benutzerfreundlichen Client. Dieser soll ohne Einführung bedient werden können und dient zum Starten der Abstimmungen und im Nationalrat zusätzlich zum Steuern der Redezeit.
  • Die Ratssekretariate benötigen eine einfache Verwaltung, die während der stressigen Sessionszeit die Arbeit erleichtert und keinesfalls Mehraufwand bringt.

Um dies sicherzustellen, verlangten die IT-Dienste ein System, welches eine einfache Wartung gewährleisten soll.
Auch die Öffentlichkeit hat ein Interesse am System: man soll möglichst schnell und unkompliziert die Resultate abfragen können. Davon sollen unter anderem Journalisten profitieren können.

Zusätzlich interessant wird es durch die Umsysteme

Eine nicht alltägliche Herausforderung war die Anbindung an die sehr Hardware-nahe Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). Das System muss zusätzlich über Schnittstellen mit der CURIA-Datenbank (der zentralen Datenverwaltung des Parlamentes) und mit dem amtlichen Bulletin für die Publikation der Abstimmungsresultate verbunden werden.

Welches sind die einzelnen Bestandteile?

Das komplette Abstimmungssystem besteht aus:

  • den Komponenten für die Stimmabgabe am Pult der Ratsmitglieder
  • einer Signalverarbeitung der abgegebenen Stimmen
  • der Steuersoftware
  • der Steuerung des Videosignals für die Darstellung auf den dafür vorgesehenen Bildschirmen
  • der Ausgabe und Präsentation der Resultate

Die verschiedenen Komponenten dazu kommunizieren über unterschiedliche Protokolle miteinander.

Ein zentraler Server verbindet die verschiedenen Clients und enthält die Logik für die Durchführung der Abstimmungen. Zusätzlich ist eine SQL Datenbank zur Verwaltung der Daten vorhanden.

Welche Anwendungen existieren?

Die Microsoft .NET Client-Anwendung zur Administration dient dazu, den aktuellen Status der verschiedenen Komponenten des Systems zu überprüfen.
Sie wird von den IT Diensten des Parlamentes verwendet.

Mittels der Management-Anwendung für das Sekretariat können die Abstimmungen sowie die Ratsmitglieder und deren Sitzzuweisungen verwaltet werden.

Zum Einsehen der notwendigen Informationen und zum Starten der Abstimmungen verwendet das Ratspräsidium einen Touchscreen-Monitor. Zusätzlich können von hier die Anzeige-Bildschirme ein- und ausgeschaltet werden.

Die jeweiligen Benutzeroberflächen wurden mit dem modernen Grafik-Framework WPF (Windows Presentation Foundation) erstellt und bieten höchsten Komfort. Die Programmlogik ist in C# geschrieben.

Wie werden die Parlamentarier integriert?

Über eine Schnittstelle können an die Ratsmitglieder SMS versandt werden. Auch die physikalischen Komponenten der Anlage sind über Schnittstellen mit dem zentralen Server verknüpft.

Wird die Abstimmung gestartet, so werden die Knöpfe an den Pulten der Parlamentarier freigegeben und anschliessend die Stimmabgabe abgefragt.
Die Information wird anschliessend an die Monitore weitergegeben, wo sie in der aus den Nachrichten bekannten Form dargestellt wird.

«Dank der sehr guten Ergonomie der Programme verlief die Inbetriebnahme der Abstimmungsanlage im Ständerat für alle Beteiligten reibungslos»

Jean-Claude Hayoz, Stellvertretender Leiter Parlamentsbibliothek / Leiter Einheit Recherchen und Statistiken

Das Endprodukt

Die entwickelte Software ist auf die jeweiligen Bedürfnisse der beiden Kammern zugeschnitten und unterstützt so den Ratsbetrieb während den Sessionen. Die Firma Designsensor AG konnte sich massgeblich daran beteiligen, die Benutzerfreundlichkeit des Clients für das Ratspräsidium sicherzustellen. Die spezifischen farblichen Gegebenheiten des jeweiligen Ratssaales wurden mitberücksichtigt.

Das Entwicklerteam der it-processing AG konnte den Parlamentsdiensten eine qualitativ hochwertige Lösung liefern. Dies einerseits durch die sehr hohe Testabdeckung und regelmässiger Code Reviews, im Weiteren durch die automatische Analyse durch die Software SonarQube.

Welches Fazit können wir ziehen?

Wir sind stolz darauf, dass die beiden Systeme ohne Panne eingeführt werden konnten. Dabei war vor allem im Ständerat durch das öffentliche Interesse der Druck entsprechend gross.

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